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Was tut man, wenn das Land, das man wählt, einen nicht will? Das ist eine der zentralen Fragen des Films von Denis Chouinard. L’ange de gourdon stellt sie nicht explizit, aber nach dem letzten Bild des Films - zwei vom Teeren schmutzige Hände recken sich gegen den weißen Himmel - scheint sie die wesentliche zu sein.
Was tut man? Wählt man ein anderes Land, wählt man erneut? Nein, man hat keine zweite Wahl. Arrangiert man sich? Oder kämpft man dagegen an? Diese zwei Optionen besetzt der Film in Form zweier Figuren, und erst im Laufe des Films bemerkt man, dass keine der beiden Möglichkeiten eine entgültige sein kann.
Zunächst skizziert Denis Chouinard eine intakte Familie. Sie stammt aus Algerien, lebt indes in Kanada. Der Vater geht seiner Arbeit nach, die beiden Kinder zur Schule und die Mutter ist schwanger. Der Vater lernt abends - bevor er zu Bett geht - die kanadische Nationalhymne, denn die gemeinsame Einbürgerung steht kurz bevor. Das Abendessen nimmt man gemeinsam ein. Familiäre Harmonie allerorten. Dann verabschiedet sich der Sohn. Er will ausgehen - und ähnlich wie in Nanni Morettis Das Zimmer meines Sohnes ist dieser banale Abschied ein endgültiger von der Familie und ihrer Harmonie. Allein die anderen wissen nichts davon.
Der Sohn wird in die Fremdenbehörde eindringen und mit einem Komplizen sämtliche Dateien der Einwanderer löschen. Somit wollen die jungen Männer die Ausweisung der »Fremden« verhindern. Der Sohn taucht unter. Der Vater, der glaubt seinen Sohn zu kennen, begibt sich auf die Suche. Nicht nur nach dem physischen Sohn, sondern auch nach dem Sohn, den er nicht kennt.
Der Vater möchte in Kanada leben, er arrangiert sich mit dem Leben. Der Sohn kann dies nicht, er rebelliert gegen die politischen Verhältnisse und den Umgang mit den Ausländern. Später wird der Vater dem Sohn vorwerfen, alles zu zerstören, und dass sie mit Bestimmtheit nach Algerien zurückgeschickt werden, wenn er nicht stoppt. »Ist das nicht ein freies Land?« fragt er den Sohn. Die Antwort bleibt aus.
Das Meisterliche an Denis Chouinards Film ist die Verquickung einer privaten Geschichte mit einer politischen Dimension. Die Suche des Vaters nach dem Sohn hätte auch einen anderen, weitaus banalen Ursprungspunkt haben können. Das Motiv der Suche und des Findens besitzt einen universellen Charakter, und Chouinard formt ihn weitestgehend aus. Was den Film indes so spannend, intelligent und diskursfähig macht, ist die Verknüpfung des Privaten mit dem Politischen. So wird die Suche des Vaters um eine weitere Ebene bereichert, die nach seiner Position innerhalb der Gesellschaft fragt. Die letzten Einstellungen - sie seien hier inhaltlich nicht verraten - zeigen ausdrucksvoll die Differenz und das mögliche Scheitern des Handelns. Wenn das Land, das Du wählst, Dich nicht will, was tust Du dann?  
L'Ange de Gourdon
   7.2./14:30 International
  12.2./22:30 CinemaxX 7
  13.2./14:45 CineStar 3
  14.2./20:30 CineStar 3  
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