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Wie eine diebische Elster sieht sie eigentlich gar nicht aus. Aber Margita (Rezija Kalnina), die mit ihrem blonden Wuschelkopf und ihrem knallrot geschminkten Mund im blassen Gesicht eher einer Mischung aus Meg Ryan und Juliette Lewis ähnelt, hat es faustdick hinter den zierlichen Ohren. Denn es bedarf schon einer ziemlichen Portion an Unverfrorenheit, um einem kleinen Jungen einfach den Kinderwagen unter dem Hosenboden weg zu klauen.
Frei nach dem Lebensmotto »Sie waren jung und brauchten das Geld«, ergaunern sich Margita und ihre Schwester in den Strassen von Riga als diebisches »Duo Infernale« nicht nur Portemonnaies ahnungsloser Passanten und fahrbare Untersätze kleiner Kinder, sondern machen auch vor den großen Fahrzeugen großer Jungs nicht halt. Doch als der clever eingefädelte Diebstahl eines Jeeps für die beiden Frauen in einem schweren Auffahrunfall endet, findet das Spiel zwischen Nervenkitzel und Raffgier ein jähes Ende. Margita selbst bleibt zwar unversehrt, aber aus Panik vor der Polizei flüchtet sie aus dem Wagen und über die Grenze nach Estland.
Ihre hektische Flucht endet in dem kleinen estnischen Dorf Vineeri. Hier scheint die Zeit für die Bewohner des Dorfes seit der Schließung der einzigen Fabrik stehen geblieben zu sein und für die Großstädterin Margita beginnt nun ebenfalls eine neue Zeitrechnung. Das Tempo des Films begibt sich in ruhigeres Fahrgewässer und wo vorher keine Zeit blieb für lange Dialoge, ist nun keine Möglichkeit mehr, denn Margita spricht kein Wort estnisch. Sie wird damit zur stummen Beobachterin ihrer eigenen Geschichte, da die Ankunft der blonden und geheimnisvollen jungen Frau in Vineeri nicht unbemerkt bleibt.
Mit einer Mischung aus kaurismäkischer Sachlichkeit und dem Wortwitz einer britischen Realkomödie zeichnet der zweisprachige Spielfilm Good Hands von Peeter Simms, eine Koproduktion zwischen Estland (Allfilm) und Lettland (Studio F.O.R.M.A.), die Porträts der Dorfbewohner mit viel Liebe zum Detail und verzichtet auf überflüssige Dialoge. Blicke und Gesten unterstreichen die Liebe zum Skurrilen. Margita begegnet einem alternden Ingenieur, der tagtäglich im kalten Flusswasser badet, um den Tod seiner Frau zu ertragen. Sie lernt den Zahnarzt des Dorfes kennen, der sich für den besten Zahnarzt der Welt hält, weil es in Vineeri ohnehin keinen anderen gibt. Sie schließt Freundschaft mit einer tagträumenden Bibliothekarin, die fest daran glaubt, dass der Vater ihres Sohnes eines Tages auf dem Rücken eines pinkfarbenen Flamingos vorbeigeritten kommt. Und sie beginnt eine Affäre mit dem Sohn des Ingenieurs, seines Zeichens einziger Polizist von Vineeri und unsterblich in Margita verliebt. So unsterblich verliebt, dass er alles daran setzt, die aufkeimenden Anzeichen von Margitas wahrer Identität zu vertuschen.
Mit der ständigen Sorge im Nacken entdeckt zu werden, und im Ungewissen über den Verbleib ihrer Schwester, wandelt Margita einige Zeit durch diese schildbürgerliche Dorfidylle. Ihre weiteren Diebstahlversuche scheitern jedoch kläglich. Sie muss feststellen, dass die Menschen, die ihr hier begegnen, selbst nichts zu verschenken haben außer Freundschaft, Zuneigung und ihre ureigenen Sorgen und Ängste. Insbesondere der kleine Junge der Bibliothekarin hat Margita, nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter, in sein kleines Herz geschlossen und konfrontiert die junge Frau mit Gefühlen, die sie normalerweise sorgsam unter Verschluss hält.
Leise und unprätentiös erzählt Peeter Simms hier eine Geschichte über Liebe, Schmerz und Verantwortung, die auch aus der Feder der unlängst verstorbenen Astrid Lindgren stammen könnte. Die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein ist fließend und aus kleinen Kindern werden eben Große. Nur, wer sich ein Stück kindlicher Naivität und
Träume bewahrt hat, weiß mit der Realität spielerisch umzugehen und sich nicht von ihr erdrücken zu lassen. Das Leben schreibt nun einmal die besten Geschichten und so bemüht sich auch Good Hands nicht, etwas anderes sein zu wollen als eine kleine Geschichte, die vielleicht nicht wahr, aber genauso liebenswert ist wie ihr großes Vorbild.
Das Leben ist wie es ist, scheint der Film uns sagen zu wollen, und am Ende bleibt alles wie es war - fast alles. Begegnungen verändern, zwar nicht unbedingt den Lauf der Dinge, aber die Sicht darauf. Und das reicht zum Glücklichsein.  
Head Käed / Good Hands
  10.2./18:30 Berlinale Palast
  14.2./15:00 Royal Palast
  15.2./18:30 Royal Palast
  16.2./22:30 International  
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