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Rodrigo sitzt auf einem Stein und erzählt der Filmemacherin Monika Treut, dass er Fußballstar werden möchte. Die Kamera vollzieht einen sachten Schwenk, und aus dem Fenster eines Hauses lehnt gut sichtbar der Vater des Jungen. Vor einigen Jahren wurde der Mann bei einer Schießerei von einer »verirrten« Kugel ins Bein getroffen, seit dem ist er arbeitsunfähig. Ängstlich blickt der Vater auf den Jungen, der ihm den Rücken sorglos zugewandt hat, als hätte er für einen Augenblick vergessen, dass er für den Unterhalt der Familie aufkommen muss.
In Rio de Janeiro gibt es 560 Elendsviertel, sogenannte »Favelas«. Die Favelas beherbergen etwa 1,5 Millionen Menschen. Einer von ihren Einwohnern ist Rodrigo. Wie die meisten Kinder, die in einer Favela geboren wurden, hat auch er keinen Zugang zu einer schulischen oder akademischen Ausbildung. Bildung ist in Brasilien ein Privileg und der reichen Oberschicht vorbehalten. Somit erhalten die Kinder keine Möglichkeit, aus den bedürftigen Strukturen der Slums auszubrechen. Die meisten Kinder leben ohne Bindung an stützende, familiäre Strukturen in bitterer Armut, können weder lesen noch schreiben, einige von ihnen noch nicht einmal richtig sprechen. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Losen oder Zeitungen, andere Verdienstmöglichkeiten stellen Prostitution, Diebstahl und Drogenkurierdienste dar.
1993 kam es in Rio de Janeiro zu einem Massaker, bei dem acht Jungs im Alter von 12 und 16 Jahren von der Militärpolizei blindlings erschossen wurden. Die Kinder waren Schützlinge von Yvonne Bezerra de Mello, einer Bildhauerin und Schriftstellerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Straßenkindern im Umkreis der Candelaria-Kirche, in der Stadtmitte von Rio, ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge zu schenken. Ohne den energischen Protest von Bezerra de Mello, wäre das »Candelaria-Massaker« von der Öffentlichkeit unbeachtet und straflos geblieben.
Yvonne Bezerra de Mellos Einsatz für die Straßenkinder von Rio mündete Mitte der 90er Jahre in einem durch Spendengelder finanzierten Projekt »Uere« (U-ere = »Kinder des Lichts«). In drei Häusern, die in den Favelas »Maré« und »Vigário Geral« aufgebaut wurden, erhalten ca. über 150 Kinder täglich Frühstück und Mittagessen, bekommen Unterricht in Lesen und Schreiben, lernen musizieren und malen und werden über Drogen und Safer-Sex aufgeklärt. »Uere« unterstütz die Familien und Kinder aus den Favelas mit Hilfsleistungen und Ausbildungsmöglichkeiten und ist eine einmalige Chance, um aus dem Teufelskreis von Drogen, Gewalt und Armut einen Ausweg zu finden.
Wenn Yvonne Bezerra de Mello die Favela-Kinder in ihre Arme nimmt, erwidern diese die körperliche Zuneigung zunächst ungelenk, so als müssten sie erst lernen, wie man einen Menschen umarmt. Wie die Kinder nach und nach ihre Scheu vor Berührung verlieren, ist nicht nur ein kleines dokumentarisches Wunder in Kriegerin des Lichts, sondern auch ein Verdienst der Arbeit von Yvonne Bezerra de Mello.
Trotz Protesten aus der Oberschicht, zu der Yvonne Bezerra de Mello übrigens selbst gehört, setzt sie ihre Arbeit unbeirrt fort. Man wirft ihr vor, sie kümmere sich um Diebe und Verbrecher. Doch wer die Mittellosen Diebe schimpft, ist vielleicht selbst ein Dieb.  
Kriegerin des Lichts
  11.2./17:00 CineStar 7
  12.2./22:30 CineStar 7
  13.2./13:00 CineStar 7  
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