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glosse / Ausgabe Nr.28

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Der Musikfreund

Von Andreas Faulstich

Neulich habe ich mir eine Blechflöte gekauft. Als Fan von Leichtgewichts-Outdoorausrüstung, dachte ich, mir fehlt noch ein Musikinstrument, das leicht ist. Ich hab zwar einige Mundharmonikas, die sind auch leicht, bin aber nicht fähig, darauf eine Melodie zu spielen. Als ich zufällig in einen Musikinstrumente-Laden geriet und mich der Verkäufer skeptisch anblickte, fragte ich: »Können Sie mir ein leichtes Musikinstrument empfehlen?« Irgendwie muss er mir angesehen haben, dass ich kein Instrument spielen kann, denn er dachte, ich suchte ein leicht zu spielendes Instrument und empfahl mir eine D-Blechflöte. Daneben stand aber eine noch kleinere G-Flöte und ich sagte: »Ich nehm lieber die G-Flöte, die sieht noch leichter aus.« Er drückte mir die Flöte und eine kleine Anleitung in die Hand und weg war ich.

Seither flöte ich täglich einige Stunden und höre dabei meine Musik. Die Flöte ist nicht nur 23g leicht, sondern auch leicht zu spielen, wenigstens in der unteren Oktave. Sie ist tatsächlich das erste Musikinstrument, das ich erfolgreich spielen kann. In die obere Oktave traue ich mich nicht, wegen der Nachbarn und möglicher Gehörschäden.

Die Flöte ist unempfindlich und ich kann sie in die Hosentasche stecken. Sie kann auch als Zelthering Verwendung finden oder zum Umrühren der Suppe. So eine Flöte ist echt vielseitig: Man kann damit Bären verscheuchen und Pfützen aussaugen, oder sich zwischen den Schultern kratzen. Mir fallen noch viele andere Anwendungen ein. Wenn man das Mundstück abzieht, hat man ein Blasrohr, womit man das Feuer anblasen oder mit einem kleinen vergifteten Pfeil auf die Jagd gehen kann. Gut, sehr weit kann man damit nicht schießen, aber für einen Schwan oder eine Ente reicht es allemal. Nach meiner Erfahrung werden manche Tiere sogar vom Klang einer Flöte angelockt. Die haben sowas schönes noch nie gehört und kommen neugierig herbeigelaufen.

Was die Bären angeht, bin ich allerdings vorsichtig. Mit Bären ist nicht zu spassen. Ray Jardine, der König der Lightweight-Backpacker, unterscheidet zwei Unterarten des amerikanischen Schwarzbärs (Ursus americanus): Den »Wild Blackie«, der dem Menschen aus dem Weg geht und den »Park Blackie«, der weiss, wo es Futter gibt. Früher gab es noch eine dritte Unterart, den Tanzbär, der zum Flötenspiel tanzte. Doch der ist leider ausgestorben.

Andreas Faulstich

 

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