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filmkritik / Ausgabe Nr.29 |
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Vaterkonflikt und 35-Stundenwoche: Der sozial engagierte französische Film RESSOURCES HUMAINES Von Jürgen Kiontke |
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Vater (Jean Claude Vallod) hat sich krumm gelegt, damit aus dem Sohn mal was wird. Und es sieht verdammt gut aus: Sohnemann Frank (Jalil Lespert) kommt nach erfolgreichem BWL-Studium in Paris zurück in das Kaff, wo der Vater seit 30 Jahren an der Blechpresse steht. Und steigt als Werksstudent in die Fabrikleitung ein. Frank sieht nicht nur gut aus, er hat Talent in Verhandlungen und kann sogar die aufsässige Gewerkschaftschefin kalt stellen - »Kommunisten sehen aus wie Witzfiguren, können dir aber das Leben zur Hölle machen«, warnt der Boss. Just-in-Time, Zeitkonten, 35-Stundenwoche. Um die Produktivität zu steigern, wird der Betrieb umstrukturiert. Betriebsrat und CGT machen aber nicht mit, auch wenn wir später lernen, dass die auch nicht ohne sind (»Kündigungen sind notwendig, sicher.«) Da hat Frank die glorreiche Idee, eine Umfrage unter den Beschäftigten zu veranstalten. Da erfährt er, dass sein Vater und 11 Kollegen ohnehin gefeuert werden sollen. Mit seiner Umfrage hat er der Chefetage nur den letzten Baustein geliefert. Frank bricht nachts in die Fabrik ein, schweißt mit einem Kumpel die Tür zu und tapeziert die Wände mit dem Schreiben ans Arbeitsamt. Die Arbeiter solidarisieren sich, die Gewerkschaft bittet zum Streik - wie man sieht, ist aus Frank wirklich was geworden. Im Zentrum von RESSOURCES HUMAINES - zu deutsch: Personalabteilung - steht der Konflikt Franks mit seinem Vater. »Vater muss sich verändern«, sagt der Sohn, der nur mühsam all die Tugenden abschütteln konnte, mit denen man heute sowieso nichts wird: Anpassung, Klappe halten, arbeiten. Funktionierende Kommunikation gibt es zwischen Vater und Sohn nur in der Garage: Beim Hin und Herreichen von Holzteilen für einen Schrank, den der Vater baut. Denn der Alte ist von seinem Sohn und der Gewerkschaft schlichtweg überfordert, sie langweilen ihn mit seinen eigenen Interessen. Die trostloseste Szene des Films: wie der Vater vom Chef gezwungen wird, durch ein niedriges Fenster der verschweißten Tür doch noch an den Arbeitsplatz zu kommen. »Du stirbst mit deiner Maschine« (Frank). Mehr noch aber zerbricht er daran, dass seine Versklavung an die Öffentlichkeit gebracht wird: Am Streiktag gehört der Vater zu den Streikbrechern, Frank verliert die Nerven. »Schon als Kind habe ich mich geschämt. Geschämt dafür ein Arbeiterkind zu sein. Jetzt schäme ich mich dafür, mich geschämt zu haben. Die Scham hast du mir vererbt!« Kinder sind ungerecht, Ende offen. Mit RESSOURCES HUMAINES hat Spielfilmdebütant Laurent Cantet ein exzellentes Werk in Szene gesetzt, dass sich mühelos ins sozial engagierte französische Kino einpasst. Hervorragendes Schauspiel, kein Wort zu viel, kein Plot zu wenig. Dass der Film seit zwei Jahren auf allen möglichen Filmfesten Preise abräumt, sagt etwas über Angebot und Nachfrage des europäischen Festivalwesens. Dass er mit zwei Jahren Verspätung hier zu Lande anläuft, viel übers deutsche Kino. |
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