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porträt / Ausgabe Nr.28 |
Zypresse und Mimose zugleichGeblümte Tapeten und getürmte Dauerwellen: Der französische Filmemacher Jacques Demy im Porträt. Von Heimo Bachstein |
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1961 machte der Regisseur mit seinem Langfilmdebüt LOLA (LOLA, DAS MÄDCHEN AUS DEM HAFEN) großen Eindruck. Der Film war ursprünglich als Musical geplant, doch für das teure Projekt fehlte die finanzielle Unterstützung. Diese traumhafte Geschichte von verlorener und wiedergefundener Liebe, brachte Demy internationale Anerkennung. Man bescheinigte ihm, er sei ein Regisseur von großer Individualität und Geschicklichkeit. Zum großen Erfolg trug nicht zuletzt Anouk Aimée bei, die in Demys amerikanischem Film THE MODEL SHOP (1968), einer Fortsetzung dieses Films, ihre Arbeit wieder aufnahm. Nachdem der Regisseur mit LA BAIE DES ANGES (DIE BLONDE SÜNDERIN) 1962, einer heiteren Romanze mit Jeanne Moreau in der Hauptrolle, einem weiteren Erfolg verbuchen konnte, war es ihm möglich, mit LES PARAPLUIES DES CHERBOURG (DIE REGENSCHIRME VON CHERBOURG) ein Jahr später, sein erstes Filmmusical zu realisieren. Die bittersüße Liebesgeschichte von einem 16jährigen Mädchen und einem jungen Autoschlosser, die nicht zusammenfinden können, erinnert an Marcel Pagnols MARIUS-TRILOGIE. In dieser Romanze wurden selbst prosaische Texte zu Michel Legrands Musik gesungen. Der Film erhielt in Cannes 1964 die »Goldene Palme«. 1966 versuchte Demy den Ruf als Musical-Regisseur mit LES MADEMOIDELLES DE ROCHFORT zu festigen, was trotz großartiger Besetzung mit Cathérine Deneuve, Francoise Dorleac, Gene Kelly und Georg Chakiris nicht gelang. L’ EVÉMENT LE PLUS IMPORTANT ... (1973) die erste Geschichte eines schwangeren Mannes mit Marcello Mastroianni und Cathérine Deneuve, blieb weitgehend auf vordergründige Reize beschränkt, obwohl Demy mit der Story das Milieu der geblümten Tapete und getürmten Dauerwellen liebevoll nachzeichnen wollte. Demys »schamlose Bevorzugung fröhlicher Nostalgie« stand in krassem Gegensatz zu den politischen Überzeugungen in den Filmen seiner Zeitgenossen. Gemeinsam mit ihnen ist nur seine Kenntnis der Filmgeschichte, die er in gelegentlichen Hommages zitiert. Darüberhinaus beherrschte er die Filmtechnik vollkommen.
Mit UNE CHAMBRE EN VILLE (1982) versuchte sich der Regisseur auf dem Gebiet der Tragikkomödie. Ein fiktiver Arbeiteraufstand, bei dem sich in Form einer musikalischen Tragikkomödie stakkatohafter Sprechgesang mit dem Chor der Demonstranten abwechselt, und in der sich »Gewalt der Sozialgeschichte mit den Grausamkeiten aus der ›Verschiedenes‹ verbinden«. PARKING (1985) ist seinem Freund Jean Cocteau gewidmet mit den Worten »Jean Cocteau, der diese magischen Worte liebte: Es war einmal«. Es ist ein anämischer Film, der das Orpheus-Thema geschickt variiert, und in dem Damy klar zu machen versucht, wer das Kino in Amerika heute bestimmt. Mit TROIS PLACE POUR LE 26, Demys letzten Film, lässt er Yves Montant, wie einst Fred Astaire das Märchen spielen, das sein Leben war. Auch hier gibt es den Traum, den wir schon aus den DEMOISELLES DE ROCHFORT kennen: »Die Aufhebung aller Ordnungen, die Missachtung der Generationenfolge, die Zerstörung der patriarchalischen Ordnung«. Jacques Demy starb 1990. Seine Witwe, Agnes Varda, charakterisierte ihren verstorbenen Mann mit folgenden Worten: »Wäre Jacques Demy ein Baum, wäre er ein Zwitter: gleichzeitig Zypresse und Mimose... « Sein Kino hat den gleichen Charakter: ernste Gefühle mit tiefen Wurzeln und mit Blüten, die so leicht schweben, als ob sie Schneeflocken unter der Sonne wären.   |
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